forget your ego

Wieso der Mamablog-Teil hier „now and then“ betitelt ist? Hier geht es um das Leben ohne Kind, damals, Stand jetzt kaum noch vorstellbar. Und um den Status Quo, mit unserem kleinen großen Babygirl. Manches in unserem neuen Leben als Eltern – und speziell für mich als Mama – ist so lustig und schön, das muss ich erzählen. Heute geht es um das Ego und die kleinen Eitelkeiten des Allltags. Um selbige kümmere ich mich nämlich erst langsam, sehr, sehr langsam wieder. Diesen Text habe ich vor drei Monaten begonnen und heute beendet. Here we go:

Zwischendurch, wenn ich es schaffe, meine Augenringe zuzutünchen und Wimperntusche aufzulegen, komme ich mir vor wie eine Heldin. Die bin ich, davon bin ich inzwischen überzeugt. Jedoch bin ich meistens eine ungeschminkte Heldin mit einem abstehenden Haarwirbel am Hinterkopf und einer Vokuhila-Frisur. Die drei Monate nach der Geburt ausgefallenen Haare wachsen inzwischen ganz vorne an der Stirn nach – jippieh! Mein Supermove, mir Haarbänder zu besorgen, war gar nicht sooo super: Die Haare schlupfen einfach unter dem Haarband durch und stehen fröhlich an vorderster Front, als wollten sie genau so viel mitbekommen wie unser Baby.

Heute: glücklich und müde. Damals: glücklich und ahnungslos. Beide Fotos: Katja Panyutina

Now and then – Eitelkeit

Während ich vorher nicht übermäßig, aber doch zwischendurch auf mein Äußeres bedacht war, sogar zur Maniküre und hin und wieder zur Kosmetikerin ging, um mir entspannende Musik, wohltuende Düfte und verschiedene Masken samt kühlender Wattepads für die Augen auflegen zu lassen, sieht es aktuell wie folgt aus: Ich mache unsere Tochter schick, gebe ihr Milch, lasse sie in meinem Arm schlafen und gucke in dieser Zeit möglichst lautlos zwischendurch auf mein Handy. Dieser Text etwa entsteht gerade in den Notizen meines Smartphones.

An manchen Tagen ist alles kein Problem. An manchen ist alles Problem. Oder auch: ProbLÄHm! Gegen Läh hilft nur Liebe. Ganz, ganz viel. Zugegebenermaßen sind Liebe, Rumschaukeln und das akuteste Problemchen lösen wichtiger als Mascara und gekämmte Haare. In seltenen Fällen sogar: als Deo! Mein wunderbarer Mann behauptet stoisch, ich würde immer gut riechen und ich versuche – mit all meinen olfaktorischen Molekülen – diesen Zustand beizubehalten. Ich will seine Liebe auch nicht überstrapazieren.

Guter Move

Ganz ehrlich: Ich hätte mir nie träumen lassen, so uneitel zu werden. Aber eigentlich ja auch ein guter, lässiger Move mir selbst gegenüber. Wen juckt Perfektion überhaupt? Und warum nehmen wir sie – und unser vermeintlich perfektes Ich – so wichtig? Das gibt es eh nicht. Und Sanftmut und Liebe sollten auch uns selbst gegenüber wichtig sein. Auch noch, wenn wir die penibel befolgten Schwangerschaftsarbeitsanweisungen (viel Gemüse, viel Obst, meditieren, frische Luft) längst unter hereingestopften Schokoriegeln, dem Contest „Wie lange halte ich aus ohne zu pinkeln“ und eben großen großen Augenringen vergraben haben. Nutzt aber alles nix, ohne Selbstfürsorge keine Fürsorge. In diesem Sinne: happy nachträglichen Muttertag. Happy Vatertag! Und Danke, Babygirl, auch für diese Lektion. <3