schlaf, sei kein schaf

Da liegen sie, die Zwei. Mein müder Mann und mein müdes Mädchen. Und ich, die müde Mama aka Nadine, sitze hier und tippe. Diese Ruhe, diese Augenringe. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen. 😀 Heute gewinnt das Tippen, denn zwischendurch muss ich etwas „für mich“ machen. Das hört sich so klischeehaft an, es ist unglaublich. Und überhaupt ist so vieles von dem, was ich als super-unabhängige Sängerin und Schreiberin undenkbar fand, plötzlich Realität.

Mama allmighty

Ursprünglich sollte der Mama-Teil dieses Blogs ja „Vorher-Nachher“ heißen. Aber Nachher kann nicht stimmen, denn Mama bleibe ich. Und das ist eigentlich schon unfassbar genug. Man macht sich vorher so viele Gedanken, denkt, so wenig Schlaf kann es ja gar nicht sein, so viel Arbeit auch nicht, denn geackert hab ich doch schon, Mann oh Mann. Und ja, ich habe geackert. Mann oh Mann! Und dann ist es da, dieses kleine Wesen, so zart und so schön, und so zerbrechlich. Die Schwangerschaft und die Geburt sind geschafft und das sind ja schon zwei nicht zu verachtende Meilensteine. Aber plötzlich ist das Leben auf den Kopf gestellt. Und es ist ziemlich egal, wie viel Arbeit und wie wenig Schlaf da warten. Ich kann natürlich nur von mir sprechen: Aber ich war ein solches Hormonschlachtschiff, hätte irgendwo eine Gefahr für mein Baby gelauert, ich hätte umgehend die Pranken um mich geworfen und gebrüllt wie eine Löwin. An der ein oder anderen Stelle hab ich tatsächlich über die Stränge geschlagen. Nicht nur Kinder kennen die Vorstellung der Omnipotenz. Auch ich war nach der Geburt davon überzeugt, alles zu schaffen. Ach! Ich denk es immer noch. 😀

Schlaftrunken. Foto: Giuliano Sole

Ein sicheres Indiz dafür ist, dass ich mit unmenschlich wenig Schlaf auskomme. Auch noch nach elf geschlagenen Monaten. War ich früher zelebrierende Morgenmuffelfrau, bin ich heute zu allen Tag- und Nachtzeiten fast beängstigend glockenwach. Und auch, wenn ich J. J. Cales „Cocaine“ für immer feiere – ich schaffe das selbstverständlich ganz ohne bewusstseinserweiternde Hilfsmittel! (Unter uns: Ich habe in meinem ganzen bisherigen Leben noch nicht einmal gekifft.) Schokolade hingegen tat ihren Dienst hervorragend, und an meiner Tippseite neigt sich die Packung Cookies gerade ihrem sicheren Ende zu. Ich möchte keine Zahlen zu Schlafzeiten, oder besser Nichtschlafzeiten, nennen und mein Hirn ist auch ganz sicher nicht in der Lage dazu, aber ich kann versichern: Viel Schlaf war es wirklich nicht. Nicht in den letzten drei Tagen, nicht in dem Monat davor und kurz nach der Geburt erst recht nicht. Und nur, weil es mir ausnahmslos wichtiger war, das Baby im Arm, in der Trage, oder im Wagen herumzuschaukeln, heißt das selbstverständlich nicht, dass ich nicht manchmal Angst gehabt hätte, vorn oder hinten überzukippen.

Hashtag Dankbarkeit

Das Gute ist aber: Es war mir so egal, wie ich nie gedacht hätte, dass mir etwas so Elementares wie Schlaf egal sein könnte. In Schulzeiten habe ich meine Mutter, so munkelt man, morgens angeknurrt. Dagegen ist die heutige Schlaf- und Launensituation bis auf wenige, verzweifelte Ausnahmen, okay. Das liegt ganz sicher daran, dass sehr viel Liebe in der Luft liegt bei uns. Und natürlich daran, dass ich nicht mehr Physik lernen muss. Wobei ich heute interessierter an Physik bin, als ich mir das erträumt hätte. Sei’s drum: Für mich ist das Mamasein trotz dieser wirklich außergewöhnlichen Schlafsituation das wohl Allerschönste, das mir je widerfahren ist. Hashtag Dankbarkeit. Kitschiger wird es heute nicht mehr. Und natürlich bin ich ja auch immer noch ein bisschen die Vorher-Person. Vielleicht verwandle ich mich auch irgendwann wieder in die Pampelmuse am Morgen. Ich mag die Jetzt-Person aber defintiv lieber. Und die beiden schlafenden anderen sowieso. In diesem Sinne: gutes Nächtle!

Eure Nadine