Lieblingsmusik

sophie chassée – lesson learned

Ganz recht: Eigentlich wollte ich nur einen Beitrag pro Woche veröffentlichen. Aber mit Tom Blankenberg und Sophie Chassée haben sich zwei Herzensmusikmenschen in meiner virtuellen Schublade versteckt. Deshalb nun direkt noch ein zweiter Beitrag zum Thema „Lieblingsmusik“.

Sophie Chassée, Fotos: Christian Olschina, Marie Buschhausen

Vorab: Wenn ich über Sophie schreibe, habe ich immer ein etwas verklärtes Lächeln im Gesicht. Denn ich erinnere mich gut an das erste Interview mit der Sängerin und Musikerin. Das haben wir geführt, als sie zarte 13 Jahre jung war. Wir trafen uns zusammen mit ihrer Mama Irene im Eiscafé im Mönchengladbacher Vitus-Center. Kurzum: Ich war beeindruckt. Sophie hatte gerade den Singer-Songwriter-Slam in Mönchengladbach gewonnen. Ihre Musik überzeugte mich bereits damals genauso wie ihre unaufgeregte Art. Musikalisch trafen wir uns dann an verschiedenen Orten, auf verschiedenen Bühnen.

Unser Interview wiederholten wir 2016 für meinen Blog Menschen in Gladbach und bei ihrem Release-Konzert 2017 durfte ich Background singen. Inzwischen ist Sophie Chassée 24, von Mönchengladbach nach Osnabrück gezogen und hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Sie spielt Gitarre, singt und schreibt Songs bei Karanoon, spielt Bass bei Alli Neumann und ist natürlich immer noch jene Sophie mit dem guten Gespür für Songs, butterweichen Gesang und dem Megahändchen. Nein! – der Megahand!

Stärke und Zerbrechlichkeit

Verniedlicht werden muss bei Sophies Musik nämlich genau gar nichts. Ihre Songs bleiben auch auf ihrem vierten Album persönlich, erzählen von Nähe, Distanz, Abschied, einigen Lessons, und strahlen Stärke und Zerbechlichkeit zugleich aus. Und dann ist da eben diese, ihre Megahand. Mit jener zaubert Sophie Chassée Riffs, Töne und alle Facetten des Modern Fingerstyle. Man/Frau kann sich nur ausmalen, welchen Aufriss da mancher Rockmusiker machen würde: mit gezogener Schnute, wilden Haarschüttlern, Rumgefuchtel und so weiter und so lahm. Nichts, aber auch gar nichts dergleichen hat Sophie Chassée nötig. Und sollte ihr wider Erwarten doch mal danach sein, beim Gitarrespielen auf einem Berg mit ordentlich Wind die Mähne zu schütteln, you go, girl!

Bis dahin schmettert sie ihr grandioses Gitarrenspiel fast beiläufig in ihre Songs, deren Grundlage mal Pop, mal Blues oder Folk sind. Eingängig kommen die Stücke auf „Lesson learned“ daher, allerdings mit einer wunderbaren Portion Geheimnis und wunderschönen Singschnörkeln im Gepäck. Mein Lieblingssong des Albums: „The Green Door“ mit seiner anbetungswürdigen Anfangssequenz und der düster-schönen Stimmung. Ich freue mich sehr, Sophies Kunst auch live irgendwann hoffentlich sehr bald wieder zu bewundern.