Lieblingsmusik

tg mauss – momente vol. 1

Kürzlich lief ein John-Cage-Abend im SWR-Fernsehen. Gesehen habe ich ihn noch nicht, aber gedanklich bin ich mal wieder an „4’33“ hängen geblieben. Ganz besonders, weil ich in die neue Platte von TG Mauss reinhören durfte. Der New Yorker in Düsseldorf ist im Broterwerb-Leben Architekt und Designer. In seinem Künstlerleben designt er hervorragende elektronische Musik. Diese bezieht jenen Hintergrund, den der Avantgarde-Komponist Cage 1952 zur Hauptsache machte, auf herrlichste Weise mit ein. Auf seiner neuesten Platte zu hören: die Zeit der Distanz – und mehrere Funken Hoffnung.

Grillen, Gitarrenmusik und Störgeräusche

TG Mauss auf meinem Balkon. Beitragsfoto: Max Sand

Kaum besser hätte der Start des im Mai auf Hauch Records erschienenen Longplayers „Momente“ in die letzten Tage passen können. „Hitze“ lässt den Zuhörer eintauchen in ein grünes Gartenstück mit zirpenden Grillen, Gitarrenmusik und wohl gesetzten Störgeräuschen. Meditatives Eintauchen inklusive. Ankommen in einem schummrig-schwitzigen Moment, aus dem nicht wenige in den letzten Monaten sicher gerne geflüchtet wären. Getragen, angenehm leicht und mit sanft gesetzten Dissonanzen setzt sich das Album in Bewegung. Effektgeräte und Gitarre bleiben nicht immer gefällig, „Frost“ etwa zieht fordernd in der Magengegend, um sich schließlich im fast schon pompösen „Bliss“ aufzulösen.

Zeitzeugnis mit Nachhall

Die rein instrumentale Reise duch das distanzierte Düsseldorf, in den Garten von Torsten G. Mauss und zu jenen Momenten, die Mauss als musikalische Zeitzeugnisse festhält, lädt zum Träumen, Innehalten und auch zum Feiern ein. Denn dieser ruhigen Dynamik entspringt etwas Neues, noch nie Gehörtes. Wie auch: Diese Alle-Welt-Situation gab es noch nie. Gut, dabei einen Garten wie TG Mauss zu haben. Der Natur, Geräusch, kreierte Töne vereint. Ohne Hast, eben: mit Auge und Ohr für den Moment. Und um den geht es ja schließlich.

So folgt der stechenden „Distanz“ auf dem Album das menschliche Miteinander. „Kimdo“ klingt wie Aufbruch, wie der Neustart. „Momente Vol. 1“ hält den Finger sowohl in die Wunden als auch in die Wunder der vergangenen Zeit. Mal minimal, mal mit Pomp, immer hörenswert. In diesem Sinne: auf den Neustart!

P.S.: Bereits im April erschien die EP „Fragmente Vol. 1“. Ebenso hörenswert.