tom blankenberg – et

Einen meiner letzten Auftritte vor der Corona-Zeit spielte ich in der Düsseldorfer Brass Bar. Schön war es dort – und etwas später am Abend machte ich Bekanntschaft mit Tom Blankenberg, der ebenfalls in der schönen Spelunke auf der Ackerstraße eintrudelte. Hätte ich damals schon gewusst, wie sehr seine Musik mein Herz streichelt, hätte ich sicher ein paar Fragen mehr gestellt. In der Kategorie „Lieblingsmusik“ werde ich ab sofort Alben, Stücke, Bands vorstellen, die eben das tun. Mein Herz streicheln, hüpfen lassen, durch Mark und Bein und tief ins Bauchgefühl gehen. Und: mich inspirieren.

Tom Blankenberg, 2021, Düsseldorf, Fotos: Sabrina Weniger

Dazu gehört Tom Blankenberg und sein Album „et“, das am 16. April 2021 erschienen ist. Es ist kein Wunder, dass er in diesen Tagen seine ursprünglichen Werke zurückzog und sich für diese zurückgenommenen, minimalistischen Kunstwerke entschied. Blankenbergs Mut zur Lücke lässt Pausen entstehen, von denen man nicht wusste, dass man sie braucht. Aber Musik und die wohl dosierten Pausen sind Balsam für diese Zeit, die fliegt, obwohl so vieles gar nicht passiert. Wenn der Düsseldorfer aus einzelnen Tönen in Slow Motion Tonfolgen, Akkorde und Geschichten zaubert, kommt man als Zuhörer nicht umhin, sich auf sonnige Balkone mit Meerblick zu träumen.

Einkuscheln in der Melancholie

Auf solch einem – und auch auf meinem echten Balkon ohne Meer – möchte ich dem Musiker und Komponisten laut Beifall klatschen. Denn der Einsamkeit dieser Zeit setzt er durch seine hörbare Verbindung mit dem Klavier ein heimeliges Gefühl entgegen. Etwa mit dem fast neunminütigen Stück „Kaschmir“, das anlässlich des Piano Day 2021 entstanden ist. Blankenberg lobpreist mit seinen neun Stücken den Minimalismus mehr als jeder Styleguide oder YouTube-Star es könnte. Ja, er zeigt: Weniger ist so viel mehr. Apropos, mein absoluter Lieblingssong des Albums heißt „less“. Das Drei-Minuten-Kunstwerk mit seiner großartigen Melodie fängt die uns umgebende Melancholie in perfekter Harmonie ein. Seit heute Morgen habe ich das Stück zehn Mal gehört, und ich könnte immer noch heulen ob so viel Schönheit. Berührend und stark!