now and then - Mamablog

was das kind will

Liebe als Grundstein

Neulich habe ich in einem Forum den verächtlichen Kommentar gelesen: „Heute geht es ja nur noch darum, was das Kind will.“ Man konnte die gerunzelte Stirn und das erboste Gemüt förmlich durchlesen und ich fragte mich, einmal mehr: Warum denn auch nicht? Eine komplette Selbstaufgabe der Eltern ist selbstredend keine Option. Aber ist es denn so schlimm, Babys und Kinder als die kleinen Personen zu betrachten, die sie meines Erachtens sind? Das heißt ja nicht, dass alles erlaubt ist. Es keine Regeln gibt. Und die nächste Welle Egomanen sich ihren Weg bahnt. Aber das Kind als willensstarkes Wesen mit Bedürfnissen und Gefühlen wahrzunehmen, anzuerkennen und auch dementsprechend zu behandeln, daran kann ich einfach nichts Verwerfliches finden. Wieso auch? Früher war es normal, das Baby schreiend abzulegen und wegzuhören. Ich denke, auch heute wird das noch so praktiziert. Ich denke aber auch, dass eines der großen Probleme deshalb heute schon zuhauf unterdrückte Traumata sind. Weitergetragene Vorwürfe, von Generation zu Generation.

Mitfühlen hilft

Denen müssen gar nicht solch krasse Geschichten zugrunde liegen wie sie etwa Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch erzählt. Auch alltägliche Liebesverweigerungen, oder die Aufforderung „Stell Dich nicht so an“ richten eine Menge an. Das soll nicht heißen, dass Eltern das Elternsein in Perfektion beherrschen und niemals Fehler machen sollen. Das ist schlicht nicht möglich. Mitfühlen reicht, von meiner Warte aus. Denn wenn man ins Netz schaut, sieht man eine Menge Menschen, denen die Empathie längst verloren gegangen ist. Deren Verletzungen so tief sitzen, dass sie in der Verurteilung/Diskriminierung/Beleidigung/Diffamierung anderer ihr Seelenheil suchen – und doch nicht finden.

Also ja! Ich bin Fan des Hier und Jetzt. Des Mitfühlens, des Darauf-Gucken-Was-Das-Kind-Will. Unsere Tochter etwa will manchmal einfach nur herumgetragen werden. Und auch mit neun Monaten möchte sie am liebsten auf dem Arm einschlafen. Denn sie ist ein Wesen, das Körperkontakt und Liebe braucht. Wie wir alle, denke ich.